Umrundung Kanton Schaffhausen

Erlebnis Grenze Schaffhausen

 

Schaffhausen ist ein typischer Grenzkanton. 1740 Grenzsteine kann man entlang der Landesgrenze auf unserem Gebiet zählen, 152 km Grenze zu Deutschland und 33 km zu den beiden Nachbarkantonen Zürich und Thurgau. Die gesamte Grenzlänge beträgt 185 km. Die Schaffhauserinnen und Schaffhauser leben tagtäglich mit der Grenze und wissen auch damit umzugehen. 

KARTE des Kantons Schaffhausen (Reliefkarte) als Übersicht.

Ich gehe gerne als Jogger mit meinem Golden Retriever Nanda in die Natur und an die frische Luft. Das ist eine meiner Lieblingsmöglichkeiten, um vom strengen Regierungsjob etwas abzuschalten zwischendurch. 

Mein Regierungspräsidentenjahr 2014 nahm ich zum Anlass, die Grenze des Kantons einmal etwas anders zu erfahren. Ziel war es joggend den Kanton Schaffhausen in 12 Etappen zu umrunden und so

- spontan Menschen entlang an der Grenze zu begegnen,
- unseren Kanton einmal auf eine spezielle, sportliche Art zu erleben,
- und bisher mir unbekannte Ecken zu entdecken, an denen ich vorher noch nie war. 

Davon habe ich auf meiner Internet- und meiner Facebookseite berichtet und im Sinne der Verarbeitung das Erlebte festhalten. Ohne Zeitdruck und mit der nötigen Muse, an einem besonders lohnenden Ort auch einmal anzuhalten und zu verweilen, startete ich zum "Erlebnis Grenze Schaffhausen 2014". 

Begleiter waren neben Hund Nanda leichte Joggingkleidung, ein kleiner Rucksack mit dem Nötigsten, mein iPhone als Fotokamera und GPS, die Landeskarte 1:25'000 der Eidgenössischen Landestopographie und natürlich der GRENZAUSWEIS. Ziel war es auch, dass ich nie mehr als 50 Meter vom Grenzverlauf abweiche. Ich musste dabei auch Gewässer, steile Abhänge, Zäune, Unterholz, Felder, Brombeerranken, Verkehrsträger und sonstige Hindernisse überwinden.  

1. Südlicher Kantonsteil Rüdlingen - Buchberg
Rüdlingen - Tössegg Gegenseite - Oberriet - Risibuck - Honegg - Brand - Loch - Kohlgrube - Egghof - Ellikon Gegenseite - Rheinstrecke - Alter Rhein - Rheinbrücke 

2. Oberer Kantonsteil
Stein am Rhein - Burg / Degerfeld - Hemishofen - Bibermühle - Staffelwald - Rauhenberg - Murbach - Buch - Hooggen - Blindenhusen - Buecher Schüppel - Spiesshof - Hofenacker - Buttelen - Moskau - Chroobach - Huebhau - Unterwald - Riedern - Waldheim - Özenberg - Öhninger Büel - Ennetbruck - Untersee - Stein am Rhein 

3. Mittlerer Kantonsteil
Schaffhausen - Neuhausen - Rheinfall - Nohl - Zollamt - Aazheimerhof - Rotriss - Lauferberg - Spitzhau - Zollhaus Wangental - Albführen - Nappberg - Bachtobel - Plomberg - Trasadingen - Chapf - Berghus - Lochgraben - Mühle Wunderklingen - Wutach - Grenzstein Pkt. 365 - Schweizerhalde - Schindergraben - Husemerbuck - Geltel - Merkedel - Hinterem Holz - Oberwiesen Zoll - Wutach - Duren - Seldengraben - Wisstannen- Allerebni - Talerhofwiesen - Stockwisen - Schlatterhof - Chränzili - Schwedenschanze - Ibental - Wolfertäli - Hoh Hengst - Rotmund - SCHWARZER STEIN (nördlichster Grenzstein der Schweiz!) - N4 Strasse - Tannbüel - Lohn - Chugelbuck - Wolfbüel - Wachtbuck - Egg - Löli - Durachtal - Schlauch - Zollhus - Bohl - Gräte - Cholrüti - Chörblitobel - Ferienheim Büttenhardt - Schlösslibuck - Reiet - Opfertshofen West - Sottenegg - Hockenbrunnen - Unterholz - Chuttler - Zollhaus - Hofen - Schnäggenbuck - Niderhardt - Dolchen - Bibern - Biber - Hüttenleben - Schlatterberg - Barzheim - Zollhaus - Schwizerhus - Eichenbol - Grenztor Zollhaus Thayngen - Rohrhalde - Kapf - Chessel - Weier - Oberholz - Hinterdorf Pünt Dörflingenww - Laag - Rheinhölzle - Mühle - Raatwis - Birkbühl - Tolen - Hexental - Gennersbrunn - Buchacker - Itenhubel - Grossacker - Langergeten - Tüftal - Gennersbrunnerstrasse - Solenbergstrasse - Rheinhardwald - Warthhau - Hägli - Schwändi - Peterschlatt - im Freien - Stuckengässli - Vögelingässchen - Rheinhalde - Lindli - Schaffhausen

 

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FINALETAPPE, 12. Etappe, Sonntag, 9. November 2014 (Karte, hier anklicken)

Moskau - Chroobach - Huebhau - Unterwald - Riedern - Waldheim - Özenberg - Öhninger Büel - Ennetbruck - Untersee - Stein am Rhein

 

Ja, richtig gelesen! Die finale Etappe von ERLEBNIS GRENZE 2014 startet in Moskau. Aber natürlich nicht in der russischen Hauptstadt, sondern beim Grenzübergang Moskau - Ramsen. Über freies Feld (inkl. einer Bachüberquerung) führt die Grenze rund um den Weiler Wiesholz, wo SVP Kantonsrat Josef Würms seine bekannte Obstproduktion hat. Entsprechend sind auf der Karte grossflächige Obstplantagen eingezeichnet. Es ist noch sehr nass, neblig und kühl. Ich hoffe auf etwas Sonne in der Höhe. Bei den Chrüzäckern steht ein Grenzzeichen auf dem beliebten Veloweg, den ich hier überquere. Von dort aus steigt die Grenze steil hoch zum Chroobach.

  

Vor diesem Aufstieg habe ich grossen Respekt, weil ich auf der Karte die Höhenkurven sehe! Und die Wand hat es in sich. Zuerst geht es eher angenehm hoch zum Wald, wobei der Grenze entlang drei sehr steile Geländerampen zu bewältigen sind. Zum Glück hat es hier einen Zaun mit Stacheldraht (wohl von Kriegszeiten her). So kann man sich in den steilsten Passagen hochziehen. Nun geht es ans Lebendige! Sehr anstrengend, bis ich die Höhe erreicht habe. Das letzte Stück ist dermassen steil und glitschig, dass man es unmöglich ohne Bergsicherung erklimmen kann. Darum weiche ich für einmal auf den Zickzackweg direkt links neben dem Grenzverlauf aus. Dort treffe ich zwei flotte deutsche Joggerinnen, - wohl Schwesten oder Freundinnen, mit denen ich einen kurzen Schwatz halte. So, nun sind die rund 235 Höhenmeter geschafft.

 

Chroobach, herrlicher Blick in den Hegau, aber nur, wenn es keinen Nebel hat. Hier oben möchte der Kanton ja eine Windanlage bauen. Der Weg führt auf dem Grat entlang, sehr gut ausgebaut, immer den Grenzsteinen nach. Hier habe ich genau die Nebelobergrenze auf 678 m.ü.M. erreicht. Da oben treffe ich einige Wanderer und Biker an, die alle die Sonne suchen. Knapp reicht es nicht. 

Nach dem tollen Gratweg komme ich runter ins Gebiet Oberwald, Unterwald, Riedern. Das, was ich vermutet und gehofft habe, ist eingetroffen. In diesem Kessel auf rund 600 m.ü.M. kommt der Nebel nicht richtig rein. Herrlicher Sonnenschein in diesem Gebiet! Hier macht die Grenze einen extremen Zickzackverlauf, ist sehr aufwändig zum Rennen, trotzdem komme ich recht flott voran. Zum Teil hat es hier schwierige Teilstücke, weil die Grenze oft im Bachtobel veläuft. Einmal mehr staunt wohl meine Golden Retriever Dame Nanda, welch extremes Gelände ihr Meister überquert. Sie kommt aber überall bestens mit. Das Öhninger Büel hoch zieht sich der Grenzverlauf extrem. Dann komme ich oben auf dem Hohenklingen (die Burg ist von hier aus nicht sehr weit entfernt) an und steche steil den Rebbergen entlang hinunter nach Öhningen. Ich überquere den Bach beim Oberen Mühliweiher und treffe kurz danach auf Gerhard und Beatrice Stäheli bei ihrem Sonntagsspaziergang. Geri war Kantonaler Feuerwehrinspektor und hat meinen Weg als Feuerwehroffizier dann und wann gekreuzt. Solche spontanen Begegnungen schätze ich sehr.

  

Beim Zoll Öhningen - Ennetbruck überquere ich die Seestrasse und steche zum See hinunter. Hier steht die tolle Brücke, die Zimmermannslehrlinge bei der Expo.02 am Kantonaltag Schaffhausen - Baden Württemberg auf der Arteplage Neuenburg gebaut haben. Ich habe miterlebt, wie die geschwungene Brücke in Neuchâtel abgebunden wurde und bin auch darübergeschritten. Damals war ich im Kern OK als Chef Jugend & Schulen und freue mich sehr, diese elegante Brücke nun wieder anzutreffen. Dem See entlang geht es bis zum Pontonierhaus. Da ist Ende mit Seeweg, und man muss wieder hoch zur Strasse. Nach wenigen Minuten erreiche ich glücklich, zufrieden und auch etwas müde kurz nach 15 Uhr den Staaner Ratshausplatz. 

Nach 4 Stunden ist also die heutige Schlussetappe geschafft. Ich kaufe noch ein paar Steiner Scherben (sehr zu empfehlen) in der Konditorei am Rathausplatz und renne dann rüber zum Bahnhof. Unterwegs treffe ich noch auf den Dörflinger Jugendkollegen Hans-Martin Sigg mit seinem Sohn auf dem Bike, der in Eschenz Seklehrer ist. Es reicht mir gerade schön auf den TURBO Zug nach Schaffhausen.

FINISSIMO ERLEBNIS GRENZE 2014!__________________________________________________________________________

11. Etappe, Samstag, 8. November 2014 (Karte hier anklicken

Stein am Rhein - Burg / Degerfeld - Stein am Rhein - Hemishofen - Bibermühle 

Bei goldigem Herbstwetter absolviere ich die relativ kurze Etappe, um für die allerletzte Tour sicherzustellen, dass ich zum Zieleinlauf der Unternehmung ERLEBNIS GRENZE auf dem Rathausplatz Stein am Rhein ankommen werde. So beginne ich beim Inseli Werd in Eschenz. Dort führt die Grenze quer über den Rhein, der sich zum Untersee öffnet. Kaum 100m gerannt kommen die ersten "Grüezi, Herr Amsler!" Rufe. Es hat heute aufgrund des sagenhaften Wetters sehr viele Biker, Spaziergänger, Jogger. Mehrere Leute erkennen mich. Sie haben wohl gestern Abend 10vor10 geschaut.

 

Die Grenzspezialität ennet dem Rhein! Im Degerfeld / Burg haben die Schaffhauser ein rechtes Stück Land. Für mich spannend, einmal diese Grenze ganz genau abzurennen und so zu sehen, wo die Kantonsgrenze Schaffhausen - Thurgau genau durchführt. Hinter den Firmen Phoenix Meccano, Dietiker Stuhlfabrik und Trelleborg führt die Grenze zum Dorfeingang von Kaltenbach. Ich komme flott voran. Dann geht es über die Bahnlinie (es hat extra einen Bahnübergang nur für Fussgänge mit Barriere!) nach Wagenhausen an den Rhein hinunter. Zwischen der Propstei Wagenhausen und der Steiner Brücke führt die Grenze in die Mitte des Rheins und halbiert dann den Fluss bis unterhalb der Bibermühle.

Zwar hat mir Weidlingesfahrer und SBB Cargo Chef Nicolas Perrin gütig angeboten mich mit dem Weidling bis zur Bibermühle zu bringen, aber meine Grenztour beinhaltet ja schliesslich Muskelkraft. Ich will den Kanton joggenderweise umrunden und kein Weidlings- oder Autostopp machen. 

 

So renne ich wieder hoch zur Steiner Brücke und geniesse die wunderbare Aussicht auf die Burg Hohenklingen, aufs Städtchen Stein am Rhein und hoch zum Untersee. Besonders schön ist die Aussicht mitten auf der Brücke. Dann führt der Weg entlang der Schifflände, Rheinpromenade, rund um die Badi, bei Schauspieler Matthias Gnädinger vorbei und bis zur ARA Stein am Rhein. Dort nehme ich die extrem anspruchsvolle Route durchs Naturgebiet Hose, weil ich möglichst am Ufer entlang rennen will. Schwierig, aber sehr schön. Tolle Aussichten entschädigen für nasse Schuhe, Kratzer im Gesicht und an tiefliegenden Fallbäumen angeschlagener Kopf.

Hemishofen ist ein sehr schönes, friedliches Dorf mit schönen Häusern im Dorfkern. Das Licht ist einmalig! Die Blicke auf den Wolkenstein, zum Staffelwald, in die Ramsener Ebene und in den Hegau hinein sind eine Wucht. Man sieht direkt zur Burg Hohentwiel ob Singen. 

 

Eine Gedenktafel unterhalb Hemishofen erinnert an die Rheinüberquerung der Franzosen. Die Tafelinschrift lautet: "Zur Erinnerung an den Übergang des rechten Flügels der französischen Rheinarmee unter General Lecourbe am 1. Mai 1800." Also 214 Jahre ist das her! 

Nun führt der Weg alles dem Rhein entlang hinunter zum Badeplatz Rheinhörnli, wo man einen herrlichen Blick auf die Bibermühle und die Rheinbiegungen davor hat. Auf dem Parkplatz Bibemühle, von wo aus ich die 10. Etappe gestartet habe, erwartet mich meine Gattin. Golden Retriever Nanda freuts....und mich auch! Ziel erreicht, jetzt freue ich mich auf die Schlussetappe.
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10. Etappe, Samstag, 25. Oktober 2014
(Karte der Etappe, hier anklicken)

Oberer Kantonsteil: Bibermühle - Staffelwald - Rauhenberg - Murbach - Buch - Hooggen - Blindenhusen - Buecher Schüppel - Spiesshof - Hofenacker - Buttelen - Moskau

Nun nehme ich also noch das dritte Kantonsgebiet in Angriff, den oberen Kantonsteil mit Hemishofen, Buch, Ramsen und Stein am Rhein. Start der Etappe ist bei der Bibermühle. Zuerst geht es dem Rhein entlang und dann beim Geissberg / Staffelwald steil den Berg hoch. Die Grenzsteine sind in diesem Gebiet top unterhalten, und so finde ich meist richtig komfortable Grenzwege im Wald, die ein recht rasches Vorwärtskommen ermöglichen. Im Gebiet Weilerhau / Rütenen komme ich mit dem Grenzverlauf an den Waldrand und sehe herrlich in die Ramsemer Ebene hinunter. Sehr nahe nach dem Überqueren der Kantonsstrasse Gailingen - Ramsen bei der Steig finde ich meinen Jahrgangsstein Nr. 63. Dort treffe ich auch Holzer Albert aus Ramsen, mit dem ich einen kurzen gefreuten Schwatz halte. Er lädt seinen Traktoranhänger mit Brennholz und will eben zum Mittagessen. Er freut sich sehr über den unverhofften Besuch mitten im Wald. Steil geht es hoch zum Rauhenberg. Eine eindrückliche Erinnerungstafel auf dem Grenzstein Nr. 68 erinnert an den Jugendlichen Roman, der hier auf tragische Weise selber den Tod gesucht hat. Das sind auf meiner Grenztour Momente, wo ich besonders still werde. 

 

Nun bin ich auf dem höchsten Punkt der Tour, Rauhenberg 570 m.ü.M. und renne alles auf der Höhe gegen Westen. Da finde ich auch die Jahrgangssteine meiner drei Kinder Selina, Florian und Ueli (92, 93, 95). Toller Blick in den Hegau. Unvermittelt macht die Grenze einen Knick und führt steil den Hang hinunter zum Weiler Murbach. Ab hier verläuft die Grenze durch eher sumpfiges Gebiet und erstaunlich oft gezackt, sodass doch einige Kilometer zusammenkommen. Weil die Sonne so unverhofft stark scheint, treffe ich auf einige Jogger, Hündeler und Spaziergänger.

  

Und jetzt kommt ein Höhepunkt. Ich habe auf der Karte natürlich gesehen, dass es beim Hindernis Biber (Fluss) keine Brücke hat. Kein Problem. Ich wate einfach durch das Wasser und Golden Retriever Nanda schwimmt. Bis über die Knie bin ich im Wasser, was aber kein Problem ist, weil man beim Joggen sehr schnell wieder trocknet. Nanda schaut schon ein bisschen erstaunt, dass sein Herrchen einfach durch den Fluss läuft. 

Vorbei an einem grossen deutschen Schrebergarten geht es um das Bucher Quartier Blindenhusen übers Feld zum Bucher Schüppel. Dort mache ich meinen einzigen 10 Minuten Rast und stärke mich mit Flüssigkeit und etwas Proviant. Dann führt die Grenze meist über Felder (kein Problem, viele abgeerntete Maisfelder) zum Spiesshof, dem nördlichsten Punkt des oberen Kantonsteil. Nach der Umrundung des Hofweilers Hofenacker folgt ein sehr schönes Riedgebiet mit Moor und viel Schilf. Ist etwas schwieriger vom Rennen her, aber trotzdem komme ich gut durch. Die Grenze macht nochmals ein paar Kapriolen, bevor Nanda und ich nach 4.5 Stunden in guter Verfassung beim Tagesziel Zollamt Ramsen - Moskau ankommen. 

 

Die diensthabenden GWK Korpsangehörigen erkennen mich sofort und haben sichtlich Freude, dass der Regierungspräsident bei ihnen zu einem kurzen Schwatz vorbeikommt. Die Wagenkolonne der vielen Einkaufstouristen, die (leider) alle von ihren Einkäufen ennet der Grenze zurück in die Schweiz einreisen, winken sie für einen Moment alle durch. 

Danke, liebe GWK Angehörige, für euren grossen Einsatz, den ihr Tag für Tag an unserer Grenze verrichtet. Sohn Ueli steht bereit und holt mich heute am Tagesziel ab. Thanx! 

 
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9. Etappe, Freitag, 18. Juli 2014 (Karte der Etappe, hier anklicken)

Südlicher Kantonsteil Rüdlingen - Buchberg Rüdlingen - Tössegg Gegenseite - Oberriet - Risibuck - Honegg - Brand - Loch - Kohlgrube - Egghof - Ellikon Gegenseite - Rheinstrecke - Alter Rhein - Rheinbrücke 

Heute komme ich an zwei ganz speziellen Punkten vorbei! Nachdem ich auf der 8. Etappe den nördlichsten Punkt der Schweiz erreicht habe, bin ich heute am südlichsten Punkt des Kantons bei der Tössegg! Zudem treffe ich gegenüber von Ellikon am Rhein auf den Grenzstein Nr. 1! 

   

Nördlich von Rüdlingen am Rhein starte ich um 7 Uhr morgens die Grenztour in der Toskana Schaffhausens, wie der Untere Kantonsteil mit den Gemeinden Rüdlingen und Buchberg auch genannt wird. Zu Recht! Die Gegend macht dem Namen alle Ehre. Eine wunderbare, unvegleichliche Gegend, die vom wunderbaren Rheinlauf und dem Hurbig geprägt ist. Da es noch früh am Morgen ist, hat es noch die eine oder andere Nebelbank, die sich aber sehr rasch auflöst. Vorbei an der Rüdlinger Brücke (nach Flaach hinüber) renne ich alles dem Rhein nach, links von mir der Irchel und rechts die Weinberge Rüdlingens mit der majestätisch gelegenen Bergkirche oben auf der Höhe vor Buchbergs Toren. Eine Rehmutter mit zwei Kitzen äst friedlich auf einer Wiese im Gebiet "Ramsen". Dann erreiche ich die Tössegg. Auf der Schaffhauser Seite ist der südlichste Punkt des Kantons. Vorbei am grossen Buchberger Rebberg Eichhalde erreiche ich bald den Punkt vor Eglisau, wo der Grenzverlauf sehr steil und schweisstreibend rechts hoch führt auf den Hummelberg. 

  

Vorbei am Hof Risibuck treffe ich im Gebiet Risi auf das Zeltlager der Jungschar Flaach. Ein herrlicher Lagerplatz hoch über dem Rheinstädtchen Eglisau. Die Kinder machen gerade ihre Ämtchen, und es ergibt sich einen gefreuten Schwatz mit den engagierten Leiterinnen. Ich erkläre ihnen, was ich da so früh am Morgen mache in Joggingkluft und mit Hund. Als Pfader habe ich Freude, dass ein solches Lagererlebnis für die Kinder möglich gemacht werden kann. 

  

Nun führt die Grenze rund um den Berg Honegg in Richtung Rafzerfeld. Von hier oben hat man einen umwerfenden 270 Grad Rundblick bis in die Berner Alpen, Eiger, Mönch und Jungfrau liegen direkt vor mir! 

Das riesige Waldgebiet Chlainert, Brand ist eher etwas eintönig. Doch bei der grossen Hitze mit 28 Grad ist der schattenspendende Wald mehr als willkommen. Ich komme sehr rasch voran entlang der Grenze Zürich - Schaffhausen. Dann treffe ich beim Grenzstein 35 wieder auf die Landesgrenze zu Deutschland. 

  

Hier verlasse ich die Grenze und besuche den Hof "Im schöne Raa", wo mein geschätzter Regierungskollege Ernst Landolt mit seiner Gattin Christine Landolt-Gasser wohnt. Ich habe mich vorangekündigt, aber wusste, dass sie heute beide nicht hier sein können. Welche Überraschung! Ein Hinweiszettel beim Eingang lädt mich in den Landoltschen Oasen-Garten ein und da stehen Valserwasser, Kaffee und Nussgipfel bereit! Genuss pur in dieser Hitze, herzlichen Dank, Christine und Ernst. 

 

Ein spezieller Standort für den Uhu Nistkasten (links) und der Schaffhauser Landesgrenzen Grenzstein Nummer 1 (rechts).

Auf der Anhöhe über der Egghalde führt die Grenze im Schatten in Richtung Nack (bekannter Golfplatz) und über den sehr gepflegten und schön gelegenen Egghof. Dann geht es steil am Ende des Rebbergs hinunter ins Eggholz. Und hier werden die Grenzsteinnummern speziell! 6, 5, 4, 3, 2.....1! Ich erreiche den Grenzstein Nr. 1 direkt gegenüber Ellikon am Rhein. 

 

Dann geht es ganz flott wieder in Richtung Süden, und ich erreiche bald das Naturrefugium Alter Rhein mit den Gebieten "Obere Insle" und "Untere Insle". Nanda schwebt im siebten Himmel. Bei den mittlerweile rund 30 Grad ist hier für sie das Badeparadies. Die Renaturierungen des Kantons Schaffhausen sind total gut gelungen, absolut empfehlenswerte Naturoase. Und bald schliesst sich der Kreis und somit bin ich in knapp vier Stunden rundherum...der Lohn ist ein feines Panaché im Garten bei Doris und Mänu Riem im Restaurant Sternen Rüdlingen (http://www.sternen-ruedlingen.ch).

Daheim angekommen springe ich umgehend in unseren Schwimmteich und geniesse den Sommer mit einer guten Zufriedenheit im Bauch, resp. in den Beinen.

   
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8. Etappe,
Dienstag, 15. Juli 2014 (Karte der Etappe, hier anklicken)

Wolfbüel ob Bargen - Chugelbuck - Lohn - Tannbüel -  N4 Strasse - SCHWARZER STEIN (nördlichster Grenzstein der Schweiz!) - Rotmund - Hoh Hengst - Wolfertäli - Iblental - Schwedenschanze - Chränzili - Schlatterhof

Heute schliesse ich die grosse Runde und komme am nördlichsten Punkt der Schweiz vorbei. Bargen - Beggingen steht auf dem Programm, bei herrlichem Sommerwetter. Am Morgen arbeite ich noch im Büro und am Nachmittag mache ich blau, um ins Blaue zu rennen. Sohn Florian bringt mich ins Wolfbüel ob Bargen, wo ich bei der Etappe 5 die Tour beendet und die Grenze verlassen habe, um den Abholdienst durch meine Gattin Liliane in Neuhaus am Randen in Anspruch zu nehmen. Hier oben sieht man ganz weit in den Hegau hinein. Zuerst geht es hinunter zum Hof Chugelbuck mit herrlichem Ausblick auf Bargen und ins Durachtal.  Herrlich die sommerlichen, erntereifen Getreidefelder!

  

Bald erreiche ich das berühmte Orchideenrefugium Tannbüel mit den berühmten Fraueschüeli. Dahinter ist das Gelände ziemlich anspruchsvoll und die Wegfindung braucht die volle Konzentration. Stark bewachsener Boden und viele Äste darunter. Zum Glück hat es eine landwirtschaftliche und forstliche Unterführung unter der N4/B27, die sonst aufgrund der Wildzäune nicht zu queren wäre. Beim Ättenberg steigt der Weg in einem feuchten Tal hoch zu einem ganz speziellen Meilenstein meiner Tour: Der Schwarze Stein oder auch Gatterstaa. Hier befindet sich der nördlichste Punkt unseres Landes und so sind Nanda und ich für kurze Zeit die beiden nördlichsten Schweizer! Hier hat man früher von der Gerichtsbarkeit die Leute nach Deutschland verbannt, auch Leute mit der schwarzen Pest (Aussätzige), darum heisst der Grenzstein Nr. 593 Schwarzer Stein.

  

Und jetzt trete ich ein in den Randenabschnitt mit sehr vielen Höhenmetern, vor dem ich aufgrund des vorgängigen Kartenstudiums einigen Respekt hatte. Hier waren die Grenzleger überhaupt nicht fair mit dem Grenzläufer und zwingen ihn über steile Anstiege und Abstiege immer wieder runter in Randentäler und wieder auf die Hochfläche rauf. Nimmt mich ja Wunder, was Hund Nanda denkt über meine komische Routenwahl. Die denkt sicher, dass Herrchen eine Macke hat! Nun, der Wald ist hier wunderbar still und einsam. Nur ein paar Rehe beäugen uns in völlig abgelegenen Waldstücken, und die einfallenden Sonnenstrahlen legen einen ganz besonderen Zauber in die Natur. Über den Hoh Hengst und den Hohen Randen erreiche ich auch den höchstgelegenen Punkt meiner ganzen Grenztour auf 886 m.ü.M. gleich hinter dem Hagenturm. Nun geht es das Chänzeli hinunter zum Schlatterhof, meinem Ziel. Das ist ein wunderbarer Grenzweg, der entlang dem gewaltigen Randenhang die Höhe stetig und angenehm überwindet. Nur ganz am Schluss geht es noch steil einen Waldabhang hinunter. In wenigen Minuten habe ich joggend fast 400 Höhenmeter überwunden. Ich trete aus dem Wald und vor mir liegt das unbeschreiblich schöne Randental mit Beggingen zu unseren Füssen.

  
Wir haben den Schwarzen Stein, den nördlichsten Punkt der Schweiz erreicht! Für kurze Zeit gibt es keine Schweizerinnen oder Schweizer, die geographisch nördlicher sind als wir innerhalb des Landes...

Jetzt schliesst sich beim Schlatterhof mein Grenzkreis, und der Hauptteil des Kantons Schaffhausen ist damit geschafft! Scho bitzeli stolz...Nun stehen noch der Obere und der Untere Kantonsteil an. Ich freue mich darauf. Um den Bus nach Schaffhausen zu erreichen, renne ich runter nach Beggingen, was sich noch recht in die Länge zieht. Rund 3 1/2 Stunden war ich unterwegs, ein Klacks im Vergleich zur letzten Etappe nach Beggingen von der anderen Seite her. In Beggingen fährt der Bus aber nicht wie angenommen um 17:13 nach, sondern erst um 17.43, was mir am Begginger Stammtisch draussen auf der Terrasse bei Familie Ammann in der "Sonne" ein herrlich erfrischendes Panaché beschert. Mit Schafhausen Bus geht es via Schleitheim, Gächlingen, Siblingen, Löhningen, Beringen, Neuhausen nach Schaffhausen und dort mit dem Reiatbus via Herblingen heim nach Stetten.

 
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7. Etappe, Samstag, 12. Juli 2014 (Karte der Etappe, hier anklicken)

Trasadingen - Chapf - Berghus - Lochgraben - Mühle Wunderklingen - Wutach - Grenzstein Pkt. 365 - Schweizerhalde - Schindergraben - Husemerbuck - Geltel - Merkedel - Hinterem Holz - Oberwiesen Zoll - Wutach - Duren - Seldengraben - Wisstannen- Allerebni - Talerhofwiesen - Stockwisen - Schlatterhof

  
Die heutige Monsteretappe dauert 7 Stunden und führt mich durch anspruchsvollstes Gelände. Doch davon später. Startort ist der Zoll Trasadingen im Klettgau und der vorgesehene Zielort der Schlatterhof ob Beggingen. 

Mit der DB fahren Golden Retriever Nanda und ich nach Trasadingen und erreichen den Ausgangsort bereits kurz nach 7 Uhr am Morgen früh. Das Wetter ist noch nebelverhangen, die Luft schwül heiss, aber eigentlich ideale Bedingungen für unsere Tour. 

So viele Tiere wie heute haben mich noch nie begleitet! Ich habe folgende Tiere gesehen: Einige Kröten und Frösche, diverse riesige Schnecken, Nacktschnecken und auch Weinbergschnecken, einen Fuchs, diverse Rehe und Feldhasen, zwei Graureiher und als Besonderheit ein kleines Rehkitz, das evtl. die Mutter verloren hatte, denn es blieb auf dem Waldweg stehen und liess uns sehr nahe heran, bevor es dann doch im Wald verschwand. Nanda war sowieso an der Laufleine. 

  
Sogleich steigt der Grenzweg an Trasadingen und Erzingen vorbei in die Höhe, herrlich durch die Reben, an einem Wildbienenhaus und einer Kompassbronzeplastik vorbei zur Gedächtniskapelle auf dem Chapf. Rechts unten sehe ich die Firma und das Wohnhaus von Kantonsratspräsident Martin Kessler (FDP, Trasadingen), dem ich ein SMS sende. Hier treffe ich den ersten Hündeler an, der ebenfalls einen Golden Retriever hat. Der Rüde findet meine Hundedame wahnsinnig spannend und will sogleich auch auf die Grenztour mitkommen. Am Berghof vorbei erreichen wir den Wilchingerberg, wo Werner Gysels Hof Berghus steht. Werner Gysel mag ich sehr, das ist ein guter SVPler nach altem Schrott und Korn. Als ich neu in den Kantonsrat kam, war er mein direkter Sitznachbar und wir hatten es sehr gut miteinander, auch wenn wir nicht immer gleich gestimmt haben!

Werner hat gerade Rickli geholt im Tal für zwei Gruppen und freut sich über meinen spontanen Besuch mit einem guten Morgenschwatz. Ich mag seine Ruhe, Überlegtheit, Naturverbundenheit und Gelassenheit. En super Buur! 

  
Nun führt der Weg hinunter zur Mühle Wunderklingen, ich komme sehr flott und rasch vorwärts mit Joggen. Das Wirtepaar der Mühle Wunderklingen, Hans und Gertrud Neukomm, macht erst um 11 Uhr auf, darum lege ich ihnen einen Gruss auf die Treppe. Nun geht es entlang der Wutach durch nasse Wiesen, immer ganz nahe an der Grenze. Weil alles so nass und vom Regen durchtränkt ist, sind total nasse Füsse heute sieben Stunden Dauerzustand. Das macht mir aber nichts, viel problematischer und auch sehr viel gefährlicher waren die nassen Äste am Boden und die glitschigen Steine im zum Teil extrem steilen und abfallenden Gelände. Und jetzt folgt auch das härteste Stück heute: Beim Schärersgraben geht es in extrem schwieriges Gelände bis und mit Schindergraben. Da komme ich nicht gut vorwärts, alles voller Dornen und Brennesseln und darunter gefährliche Rutschfaktoren. Einmal mache ich prompt einen sehr heiklen Sturz, der echt ins Auge hätte gehen können. Da hätte mich wohl die REGA mit der Winde rausholen müssen. Ich rapple mich wieder auf, alles noch ganz! Nanda, meine treue Begleiterin, schleckt mich besorgt ab, die spürt so etwas sofort. Hunde haben einen sechsten Sinn. 


Rast mit Trinken und Verpflegung mache ich in den Alpen. Ja, richtig gelesen! Das Gebiet ob Stühlingen und Oberwiesen heisst als Flurname tatsächlich so, weil man von hier wohl so schön in die Alpen sieht. Nun erreiche ich mit einem steilen Abstieg die Abwasserreinigungsanlage ARA und den Weiler Oberwiesen mit der Firma Gonon und dem Zivilschutzausbildungszentrum des Kantons, sowie dem Gipsmuseum. Alles führt nun der Wutach entlang, das komme ich wieder recht vorwärts, obwohl ich die bisherige Strecke in den Knochen spüre. Vorbei an den wunderbaren renaturierten Wutachabschnitten und dem einmaligen Auenwald und an einem Pfadilager treffe ich unterwegs zwei flotte und trainierte Mountainbikefahrer im Regen (der hat mittlerweile eingesetzt und bleibt fast zwei Stunden mein Begleiter). Der kurze Schwatz freut mich, und bald ziehen wir wieder unseres Weges. Ich staune wieviel Verkehr die Bundesstrasse 314 im Wutachtal aufweist. Stetes Vekehrsrauschen und das Knattern der zahlreichen Schwarzwald-Ausflugs-Motorradfahrer fallen in der sonstigen Stille richtig auf. 

Und jetzt wird es wieder richtig hart. Im strömenden Regen, mehrere Stunden Lauf in den Beinen, geht es steil einen brutal anspruchsvollen Graben hoch und dann durch viele Dornenabschnitte der Grenze entlang. Hier sind die Grenzsteine und Grenzschneisen nicht so top unterhalten. Ist aber auch wüchsiges Wetter bei dieser Feuchtigkeit! Im Talmbuck empfängt mich Motocrosslärm, hier ist die bekannte Motocrosspiste Beggingen. Bald erreiche ich den Schlatterhof, müde aber glücklich und zufrieden. Aber noch nicht fertig für heute! Ich jogge in recht hohem Tempo die Teerstrasse nach Beggingen herunter, um den Bus zu erreichen. Doch ich verpasse ihn trotz läuferischem Effort um 5 Minuten. 

Nicht aufregen, geschenkte Zeit! Jetzt kehre ich im Restaurant Sonne ein und gönne mir etwas. Die Familie Ammann ist sehr nett und empfängt mich äussert sympathisch und freundlich (http://www.gasthaus-sonne-beggingen.ch). Es ergibt sich ein guter Schwatz. Das Falken Panaché schmeckt wunderbar und der Chef macht mir extra herrliche Fischknusperli. Danke!

Der Bus der Linie 21 bringt uns um 1513 Uhr zurück in die Stadt Schaffhausen. Ein Supertag, der am Abend sicher wohlige Müdigkeit nach sich ziehen wird.

Wir leben schon in einer wunderbaren Gegend im Schaffhauserland!

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6. Etappe, Sonntag, 1. Juni 2014  (Karte der Etappe, hier anklicken)

Das ist eine rechte Monsteretappe! Zollamt Neuhausen - Aazheimerhof - Rotriss - Lauferberg - Spitzhau - Zollhaus Wangental - Albführen - Nappberg - Bachtobel - Plomberg - Trasadingen.

Rund 5 Stunden bin ich unterwegs und erobere den Südranden, das Wangental und die Hochebene Albführen. 

 

Start ist um 0740 Uhr beim Friedhof Neuhausen. Zuerst geht es zum Glück fast ohne Verkehr der Zollstrasse entlang, über das Zollamt Neuhausen und dann über das Gehöft Chlaffental dem Naturparadies Kronenried entlang. Hier ist es gelungen, wieder Biber anzusiedeln. Das Gras steht am Bach zum Teil sehr hoch und ist triefend nass. Ich halte mich genau an die Grenze und weiche höchstens 5 Meter ab. Das schwierigste Stück ist aber der folgende Eulengraben. Brombeeren, Unterholz, Brennesseln machen das Vorwärtskommen schwierig. Auf dem Südranden oben ist das bekannte Grenzweglein, das bestens unterhalten ist und da komme ich wieder sehr rasch mit Joggen vorwärts. Die Grenze macht einige Kapriole, vor allem beim Spitzhau. Ein Abenteuer ist der Abstieg durch einen tiefen Graben, den Ättigraben. Hier ist die Gegend total abgelegen, es ist auch das Refugium des Sikawilds. Bald erreiche ich das wunderschöne Wangental, die Verbindung zwischen Jestetten und Wilchingen-Osterfingen. Das herrliche Biotop "Im See" bietet mir eine wunderbare Kulisse für einen Halt und für eine Trinkpause. Ein Graureihe sitzt mäjestätisch auf einem Inselchen und betrachtet Nanda und mich aufmerksam. Sehr lohnend! Hier war übrigens auch mal der Gesamtbundesrat auf dem Schuelreisli und Micheline Calmy-Rey wollte nicht aussteigen, weil sie die falschen Schuhe anhatte. 

 

Beim Hohlgraben führt die Grenze fast senkrecht, wie mir scheint, den Hang hinauf. Sehr anstrengend! Die Hochfläche Albführen mit dem bekannten Pfedegestüt von Millionär Walter Frey ist eine einmalig schöne Gegend. Ich verlasse kurz die Grenze, um das Gut Albführen zu besuchen, weil ich noch nie da war. Sehr eindrücklich, tolles Ausflugsrestaurant und sorgsam renovierte und sehr gut unterhaltene Gebäudekompositionen! Alles ist auf Pferde ausgerichtet. Die nächste Etappe im Eichholz ist wieder recht anspruchsvoll, da alles in Hang- und damit Schräglage. 

Durch das "Bachtobel" ( Ja, das heisst so!) geht es steil runter in die Klettgauebene.

 

Ich treffe den Zürcher Kantonspolizisten Maag aus Rafz und seine Frau im Gebiet Rüttenen. Herr Maag arbeitet bei den Zentralen Personaldiensten der KAPO Zürich. Jedes Wochenende entdecken sie mit schönen Touren die Landschaften in Klettgau, Schwarzwald, Randen und Reiat. Er hat an seinem Gurt ein GPS Gerät, in das er immer den Standort eingibt, wo sie das Auto abgestellt haben. So seien sie sicher, immer wieder dahin zurückzufinden! Clever....Er schwärmt von seinem Chef RR Mario Fehr. Er sei schon seit 35 Jahren bei der Polizei und habe schon manchen vorgesetzten Regierungsrat erlebt. Aber Mario Fehr sei der Beste! 

Jetzt erreiche ich den Plomberghof, wo die sehr berühmte Alphorn-Künstlerin Lisa Stoll mit ihrer Schwester und den Eltern wohnt. Der Hofhund, ein schöner Berner Sennenhund, hat weniger Freude ob dem Besuch von mir, sondern viel mehr an meinem Golden Retriever Nanda. Stolls haben Freude an meinem Überraschungs- und Spontanbesuch und so sitzen wir zwanzig Minuten draussen  zusammen. Und ich bekomme eine Erfrischung in Form eines Apfel Schorles und erst noch eine Flasche Wein in den Rucksack. Tausend Dank, liebe Familie Stoll. Mutter Virginia Stoll wird schon bald ihr neues Mandat als Schaffhauser Kantonsrätin antreten! 

Dann geht es über herrliche Wiesen, Felder, Flurwege bis zum Zoll in Trasadingen. Nanda und ich merken die vielen Kilometer in den Knochen und sind froh, dass wir das Tagesziel Trasadingen erreicht haben. Schaffhausen ist einfach eine wunderbare Region! Ich freue mich schon auf die nächste Etappe über den Hallauerberg, der Wutach entlang bis nach Schleitheim-Oberwiesen.

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5. Etappe, Sonntag, 13. April 2014 (Karte der Etappe, hier anklicken)

 

Die heutige Etappe von Opfertshofen nach Neuhaus am Randen ob Bargen absolviere ich alleine mit Hund Nanda. Sie ist recht anspruchsvoll, v.a. was das Höhenprofil betrifft. Aber auch die Länge ist doch recht bemerkenswert. 

Mit dem Bus geht es von Stetten nach Opfertshofen. Dort muss ich zuerst ein rechtes Stück in Richtung Wiechs am Randen rennen, weil ich ja wieder zurück an den Punkt der Grenze muss, wo ich sie am Ende der 4. Etappe verlassen habe. 

 

Harter Start! Umgehend geht es ganz steil den Berg hinauf, bis auf die Höhe der Reiathöfe. Gleich auf der Ebene treffe ich an einer Feuerstelle die Familie meines Kiwanisfreundes Iwan Stössel. Sie halten Würste übers Feuer. Sie sind mit den Velos unterwegs. Ich habe immer Freude, wenn ich Eltern begegne, die den Kindern die Natur zeigen. Ich finde das so wichtig für die Entwicklung der Kinder. Das sind die Erlebnisse, die prägen und sich unauslöschlich in der Seele festsetzen. Eltern, macht es wie Familie Stössel, geht raus in die Natur mit den Kinden! 

Hier oben kenne ich eigentlich jeden Baum und Stein, weil ich oft von Stetten mit dem Postauto hierher fahre und dann über das Ferienheim, den Emmerberg und den Längenberg zurück nach Stetten renne. 

 

Für einmal geht es aber nicht einfach den Wegen nach, sondern dem Grenzverlauf. Vor dem Ferienheim macht die Grenze eine überraschende Ecke durch ein Gebiet, wo ich noch nie im Leben war. Sehr schön! Auf einer Weide zum hinteren Freudental hinunter weidet eine Schafherde. Sie begrüsst uns blöckend und meldet hiermit die unverhofften Störefriede. 

Am Ferienheim vorbei (die Leute sitzen draussen in der sonntags geöffneten Besenbeiz, sehr zu empfehlen) führt die Grenze über die herrliche Anhöhe, vorbei am Mahnmal der Kriegszeit und biegt kurz vor dem Emmerberg und dem Chörblitobel rechts ab. Bald taucht das Reservoir Cholrüti der Reiatwasserversorgung auf. Von hierher stammt das Wasser für den oberen Reiat, auch für meine Wohngemeinde Stetten. Es wird aus dem Grundwasser im Durachtal hier hinauf gepumpt und dann nach Büttenhardt, Lohn und Stetten verteilt. H2O Topqualität! 

Jetzt kommt das heutige "pièce de résistance" der Etappe. Es geht brutal steil hinunter ins Grätental und dann ebenso steil wieder rauf auf die Gräte (Orchideenparadies). Das fordert uns stark, denn die Grenze verläuft zweimal in der Falllinie! Es hat sich aber gelohnt, denn so entdecke ich das wunderschöne Grätental. Glücklich, als wir wieder oben ankommen. Nun geht es auf der Höhenkurve in Richtung Norden. Beim Punkt 659 macht die Grenze einen 90 Grad Knick und man ahnt schon was folgt. Bolzengerade in der Falllinie hinunter ins Durachtal. Ein paar Stürze und Hosenbodenpartien lassen sich nicht vermeiden. Man muss sich möglichst an Bäumen halten, weil der Boden tückisch mit losen Steinen, Ästen und Laub bedeckt ist. Da rutscht man unweigerlich aus, auch mit guten Turnschuhprofilen. 

 

Jetzt sind wir im Schlauch mit einem Fussballplatz mit Grenzsteinen als Cornerpunkten! Die Grenze führt ein Stück der Autostrasse und dem Flüsschen Durach nach, was Nanda mit einigen Sprüngen ins kühle Nass dankend annimmt. Hier findet sich auch die spezielle Abwasserreinigungsanlage von Bargen mit einem selten gesehenen Schilffeldsystem! Jetzt steigt die Grenze beim Löli (Bisch en Löli!) wieder steil an und führt in die herrliche Gegend ob Bargen. Das ist ein gewaltiges Gebiet mit herrlichem Blick in den Hegau und den Randen, Rapsfeldern und wunderbaren Hecken. Aber auch hier soll man die grossen Höhenunterschiede nicht unterschätzen, es geht ziemlich streng bergaufwärts. Nun verlasse ich den Grenzverlauf für heute, weil ich noch auf den höchsten Punkt will! 

Der Wolfbühl ist der höchste Punkt mit 817 m.ü.M. Hier oben treffe ich ein sympathisches Wanderpaar auf einer Bank....und sie lesen gerade im Schaffhauser Wanderbüchlein von Hannes Stricker. Ich oute mich als der, der das Vorwort zu diesem Büchlein verfasst hat. Sie haben sich noch nicht lange in Diessenhofen niedergelassen und geniessen nun die herrlichen Gegenden am Rhein, im Klettgau, Reiat und Randen. Toll, wenn so rüstige Senioren die Welt entdecken. Es müssen gar nicht immer ferne Länder sein, siehe, das Schöne liegt so nahe! 

 

Jetzt geht es nochmals steil hinunter zum heutigen Etappenziel Neuhaus am Randen, wo mich meine Gattin Liliane und Sohn Ueli (mütterliche Fahrstunde) abholen. Nun sind wir nach 3.5 Stunden anstrengender Tour durch zum Teil schwieriges Gelände recht auf den Felgen. Wir wurden aber einmal mehr bei herrlichem Wetter mit einer wunderbaren Landschaft belohnt. Auf dem Parkplatz des Restaurants treffen wir den Schaffhauser Ständerat Thomas Minder und seine Lebenspartnerin, die gerade von einer Wanderung im Schwarzwald kommen und hier noch einkehren wollen. So gibt es nochmals einen Schwatz. Daheim angekommen geniesse ich eine entspannende Dusche. Heute kehren wir als Familie in der Stettemer Pizzeria Del Sole (Restaurant Sonne) ein. Ja, ich gebe es gerne zu: Ich habe jetzt einen grossen Hunger beisammen...

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4. Etappe, Sonntag, 30. März 2014 (Karte der Etappe, hier anklicken)

Nach der gestrigen Etappe mit Tochter Selina rund um Barzheim, nehme ich die Route beim Hüttenleben wieder auf. Heute will ich die Reiatgemeinden Bibern, Hofen, Altdorf und Opfertshofen umrunden.

  

In dieser Reihenfolge absolviere ich bei strahlendem Frühlingswetter die Strecke Hüttenleben - Biber - Bibern - Dolchen - Niderhardt - Schnäggenbuck - Hofen - Zollhaus - Chuttler - Unterholz - Hockenbrunnen - Sottenegg - Opfertshofen West

  

Den ersten Teil der Biber entlang begleitet mich Gattin Liliane mit den Nordic Walking Stöcken. Das ist ein wunderbarer Abschnitt, sehr empfehlenswert bspw. mit Hunden oder für eine Nordic Walking Tour. Tipp: Grenze verläuft auf der anderen Seite des Velowegs. Nicht Veloweg nehmen, sondern beim Hüttenleben über die Brücke gehen bis zu den Reben. Dann in Richtung Bibertal den Grenzsteinen nach. Auf der Grenzseite ist es auch viel schöner zu laufen! Beim Punkt, wo die Grenze die Biber im rechten Winkel verlässt und steil zum Niderhart hochführt, trennen wir uns. Golden Retriever Nanda begleitet mich treu. Herrlich, diese Weite und der Blick zu den Hegauvulkanen. Bei Hofen muss ich die Biber überqueren. Zum Glück hat es Steine im Fluss, sodass ich trockenen Fusses ans andere Ufer komme. Beim Zollhaus geht es extrem steil den Berg hinauf zum Chuttler. Dort befindet sich die wunderbar gelegene Feuerstelle, die von der Arbeitsgemeinschaft Pro Unterer Reiat geschaffen wurde. Hier ist Frieden pur. Der Blick geht in den ganzen Reiat und bei föhnigem Wetter bis in die Schweizer Alpen.

  

Es freut mich extrem, dass ich dort zwei fröhliche Familien antreffe mit je zwei Kindern. Es ist so wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern in die Natur gehen und den Kindern so Naturerlebnisse ermöglichen, die fürs ganze Leben prägen! Wir kommen ins Gespräch und ich erkläre ihnen, was ich mit meiner Grenztour vorhabe. Für solche Fälle habe ich im Rucksack auch ein Infoblatt dabei. Ein Familienvater hat mich gleich erkannt, weil er beim GWK arbeitet und diese über meine Grenztour informiert sind. Dann geht es weiter in ein sehr einsames Gebiet mit viel Wald. Der Grenzweg ist aber gut unterhalten, mit Ausnahme von ein paar sehr dornigen Abschnitten. Nun komme ich zum speziellen Grenzstein 746 im Brüttel. Nördlichster Punkt der heutigen Etappe und des gesamten Reiatgebiets. Es folgt nun die härteste Etappe! Rund 400 m weit, leicht ansteigend, führt die Grenze mitten im Bachtobel dem Brittelesch entlang. Schwierigstes Gelände und sehr sumpfig. Ich bin froh, als ich endlich wieder auf dem freien Feld bin und die Höhe beim Trümelacker erreiche.

  

Jetzt geht es runter, westlich von Altdorf, herrliche Weite und abgelegene Bauernhöfe, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. In einem Waldstück führt die Grenze einen supersteilen Abhang hinunter und für einmal wechselt das Joggen mit einer Hosenbodenfahrt ab! Herrliches Gebiet mit vielen knorrigen Föhren wie auf dem Randen, schöne nach Süden geneigte Magerwiesen, die sicher Topstandorte für Orchideen sind. Plötzlich gerate ich mitten in ein freifliegendes Bienenvolk. Sie merken aber wohl, dass ich ein Wildbienenfreund bin und greifen mich nicht an. Thanx! 

Nun überquere ich die Strasse Wiechs am Randen - Altdorf und erreiche mein heutiges Tagesziel westlich von Opfersthofen. Ich verlasse die Grenze und jogge rund 1 km nach Opfersthofen, wo mich Fahrschüler Ueli Amsler nach iPhone Call aufpickt. Rund drei Stunden waren wir unterwegs, eine strenge Tour, aber landschaftlich herrlich!

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3. Etappe, Samstag, 29. März 2014 (Karte der Etappe, hier anklicken)

  

Welche Freude! Auf meiner fast 10 km langen 3. Etappe rund um Barzheim begleitet mich joggenderweise meine 22 jährige Tochter Selina, die das Joggen so richtig entdeckt hat. Das macht den Papa natürlich schon recht froh und stolz, wenn das Töchterchen mitrennt! Dafür pausiert heute Golden Retriever Nanda, weil sie heute mit meinem mittleren Sohn Florian mit auf eine Wandertour durfte entlang des Flusses Thur.

 

Die heute auserkorene Strecke ist für Selina gut leistbar. Vom Grenztor Zollhaus via Eichenbol - Schwizerhus - Barzheim - Schlatterberg ins Thaynger Hüttenleben ist eine gute Strecke, die vor allem wenig Anstiege hat. Wir lassen uns Zeit und sind nach 1:45 h am Ziel!

 

Herrliches Frühlingswetter, die Natur voll in der Blust, immer mehr Grün drückt aus den Wiesen, Äckern, Wälder und Hecken.

Start beim Zoll und quer über Äcker direkt zur Eisenbahnlinie Schaffhausen - Singen - Stuttgart. Dort macht es nochmals eine witzige Ecke zurück und erst dann geht es über die Gleise. Schräg geht es den "Hang" (heisst so!) beim Schwizerhus hoch bis zum Zollhaus Ebringerstrasse. Dann hinunter ins Loch und an einer frisch blühenden Schwarzdornhecke nach in Richtung Barzheim. Den doch recht steil ansteigenden Buechberg umrundet man quasi hinten herum.

  

Welche Schaffhauserinnen und Schaffhauser haben schon einmal diese wunderbare Strecke mit direktem Einblick in den Hegau und alle Hegauvulkane absolviert? Sehr empfehlenswert! Die Grenze schlägt da recht Kapriolen und ändert immer wieder die Richtung. Die Kerben auf den Grenzsteinen mit der Richtungsangabe sind da sehr hilfreich und natürlich auch die zuverlässige 1:25'000er Karte. Hier dominiert eindeutig die Landwirtschaft, und die Bauern auf beiden Seiten der Grenze bestellen heute wacker ihre Felder. Sie werden vorbereitet zur Ansaat, damit im Sommer und Herbst auch kräftig geerntet werden kann. 

Beim zu Thayngen gehörenden Dorf Barzheim macht die Grenze bspw. einen ganz speziellen Bogen um den kleinen Friedhof, als ob sie dem Ort des Todes ausweichen möchte. Im Gebiet Aspen beim Bruedersee machen wir beim höchstgelegenen Grenzstein einen kleinen Rast. Hier sieht man direkt zum deutschen Dorf Schlatt am Randen und zu den Hegauvulkanen. Es fällt sofort auf, dass auf der deutschen Seite der Grenze auf viel mehr Häusern und Landwirtschaftsbetrieben Solaranlagen (Photovoltaikzellen) zu sehen sind. Schon klar, dass die hoch subventioniert sind! 

Was uns glücklich macht sind die blühenden Blumen am Waldesrand, die Blust in den Hecken und Bäumen und die offene, helle Szenerie. Auf dieser Etappe trifft man auf seinem Weg von Grenzstein zu Grenzstein keine Menschen in der Nähe an, aber überall geben sich Himmel und Erde die Hand!

  

Auf der heutigen Tour fällt uns richtig auf, dass es sehr unterschiedliche Grenzsteine hat, was die Jahrzahl betrifft. 1838, 1888, 1961, 2001, 2007 sind nur einige Gravuren, die die Vielfalt der Steine manifestieren und auf Sanierungen und Renovationen hinweisen.

Ganz am Schluss geht es vom Schlatterberg diretissima steil runter, genau an der äussersten Flanke des Thaynger Rebberges, wo der Blauburgunder wächst für die feinen Thaynger Weine fürs Restaurant Hüttenleben der Familie Renato und Maria Pedroncelli. Unser Etappenziel ist erreicht! Gut gemacht, Selina!__________________________________________________________________________________ 

2. Etappe, Sonntag, 16. März 2014 (Karte der Etappe, hier anklicken)

Zollamt Neuhausen - Nohl - Rheinfall - Kraftwerk Schaffhausen - Feuerthalen - Schaffhausen Güterhof - Rheinhalde - Lindli - Vögelinsgässchen 
 

links: Die Grenze bei der SBB Linie Schaffhausen - Zürich
rechts: Der Rhein ist erreicht! 

Die heutige Etappe ist ein Kernstück, weil sie den Rheinfall und die Kantonshauptstadt Schaffhausen beinhaltet. Heute begleitet mich meine Gattin Liliane und wie gewohnt unser Golden Retriever Nanda. Wir haben uns für eine Nordic Walking Tour entschieden und haben die Stöcke dabei. 

Start ist beim Zollamt Neuhausen, und direkt bei den Schrebegärten (Ecke Friedhof) geht die Grenze direkt über die Zollstrasse und führt mit ziemlich gerader Linie zum Rhein  hinunter. Das erste Stück ist mühsam. Mit Brombeerranken übersähte Grenzlinie voller Ästebeigen und steilsten Hängen rauf und runter. Die doppelspurige Eisenbahnlinie Schaffhausen - Zürich gilt es zu überqueren. Geschafft! Auf der Kammlinie über dem Rhein geht es immer schön den Grenzsteinen nach in Richtung Altenburg bis zum Weiler Nohl. Dann der nach der Grenze benannten Grenzstrasse hinunter ins kleine Dorf und steil eine Treppe zum Rheinufer. Nanda springt sogleich ins kühle Nass. Nun folgt eine herrliche Strecke alles dem Rhein nach bis nach Schaffhausen. Wir gehen hier eigentlich viel zu wenig wandern und überlassen dieses herrliche Stück Rhein wohl eher den Touristen.

  

links: Kleiner Wasserfall unterhalb des Rheinfalls
rechts: Der berühmte Rheinfall ist Teil meiner Grenztour
 

Am Rheinfall herrscht gleich ein anderes Ambiente. Internationales Volk aus allen Herren Ländern geniesst das Naturdenkmal erster Güte und tausendfach klicken die  Kameras der Smartphones. Da fühlen wir uns als Einheimische gleich etwas als Exoten. Wir sind uns (zu) wenig bewusst, wieviel Volk es an solchen Tagen hat an diesem touristischen Hotspot direkt vor unser Haustür. 

Hier ein paar Eckdaten zum grössten Wasserfall Europas:
Breite des Falles 150 Meter
Höhe des Falles   23 Meter
Tiefe des Beckens 13 Meter
Alter des Falles  ca. 15'000 Jahre
Abflussmenge Sommer     ca. 600'000 Liter pro Sekunde
Abflussmenge Winter     ca. 250'000 Liter pro Sekunde
Geringste Abflussmenge (1921) 95'000 Liter pro Sekunde
Grösste Abflussmenge (1965)  1'250'000 Liter pro Sekunde

Seit 1983 sind der Rheinfall und seine Umgebung im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung.

  

links: Ein "Touristenföteli" am Rheinfall
rechts: Wunderschöner Flussabschnitt bei der ARA Röti

Die Grenze führt übrigens mitten durchs Rheinfallbecken, mitten durch den Felsen im Fall und dann in der Rheinmitte bis hoch zur Schrägseilbrücke N4. Dort geht die Kantonsgrenze zwischen den beiden Kantonen Schaffhausen und Zürich auf die Zürcherseite bis hoch zum Vögelinsgässchen, wo die SH Grenze wieder den Rhein überquert. Hier gehört der Rhein also uns Schaffhausern! 

 

Sehr schöne Strecke dem Rhein entlang mit herrlichen Uferpartien, vorbei an der ARA Röti, der IVF, dem Pontonierklub bis zur Schrägseilbrücke N4. Dann auf der Zürcher Rheinseite vorbei am Kraftwerk der Städtischen Werke hoch nach Feuerthalen. Hier wechseln wir die Rheinseite und gehen strammen Schrittes am Güterhof und an der Sommerlust vorbei via Lindli zum Etappenziel.

 

links: Munot, Schweizerhof, Freier Platz und Güterhof
rechts: Das Lindli, die Schaffhauser Rheinpromenade
 

Nichts mit Ikognitotour! An einem Sonntag ist die Rheinroute vollgepackt mit Spazierern, Flanierern, Sportlern und Sonnenanbetern. Ich treffe relativ viele mir bekannte Leute. Auf dem N4 Skaterplatz ist sogar Sohn Florian mit seinen Skaterfreunden. 

Für die herrliche Sonntagstour brauchen wir exakt 2 Stunden und geniessen zum Abschluss an der Sonne den wohlverdienten Kaffee im Restaurant Rheinhalde. 

 

links: Kurt Bruckners Werk am Feuerthaler Ufer mit Schwan
rechts: Fischerzunft und Eisenbahnbrücke
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1. Etappe Samstag, 8. März 2014 (Karte der Etappe, hier anklicken)

Endlich geht das Grenzerlebnis 2014 los! Heute absolviere ich folgende Etappe meiner Schaffhauser Grenzumrundung, aber genau in umgekehrter Reihenfolge: 

Grenztor Zollhaus Thayngen - Rohrhalde - Kapf - Chessel - Weier - Oberholz - Hinterdorf Pünt Dörflingen- Laag - Rheinhölzle - Mühle - Raatwis - Birkbühl - Tolen - Hexental - Gennersbrunn - Buchacker - Itenhubel - Grossacker - Langergeten - Tüftal - Gennersbrunnerstrasse - Solenbergstrasse - Rheinhardwald - Warthhau - Hägli - Schwändi - Peterschlatt - im Freien - Stuckengässli - Vögelingässchen - Rheinhalde 

Start also in der Rheinhalde östlich von Schaffhausen mit der Umrundung der ganzen Büsinger Gemarkung und nachher noch via Laag - Dörflingen - Oberholz - Weiher - Gasstation bis zum Grenztor Thayngen. Dafür benötige ich inkl. kleinen Pausen und Fotohalts fast vier Stunden. Man darf den Gang entlang der kurvenreichen Grenze zeitlich nicht unterschätzen. Man soll sich entsprechend auch die Zeit nehmen, die Schönheit der Landschaft zu geniessen. 

Ein herrlich sonniger Tag mit zügiger Bise, die das Wetter dann doch ein bisschen abkühlt, was ideal zum Joggen ist. Aber Achtung Erkältungsgefahr beim Rasten. 

08:15 Uhr nehme ich das Postauto Stetten - Schaffhausen. Meine erste Begegnung der Grenztour habe ich mit Hertha Brunner an der Bushaltestelle. Wir kommen ins Gespräch. Rührend! Sie kümmert sich um einen jungen Mann mit Behinderung, der in Biel in einem Wohnheim wohnt. Sie reist heute mit dem Zug zu ihm. Er hat keine Eltern mehr und so ist sie eine Art Ersatzmutter. Trotz seiner geistigen Behinderung besucht auch er sie hier in Stetten dann und wann. Toll, dass sich Menschen so engagieren im Namen der Mitmenschlichkeit. 

Im Bushof steige ich um auf den Dörflinger Bus und verlasse das Gefährt (Riesenbus, Chauffeur und zwei Insassen :-) ). Jetzt stehe ich also am Rhein mit Blick das Vögelinsgässchen hoch und damit am von mir gewählten Start! Es geht los. Immer den Grenzsteinen nach geht es z.T. über Felder hoch zum Buchthalerwald, einem beliebten Naherholungsgebiet der Schaffhauser. Ein sehr gut unterhaltenes Grenzwägli lässt mich rasch vorwärtskommen. Ich laufe schön mein Joggingtempo, Golden Retriever Nanda kommt super mit. Da begegne ich dem ersten Menschen. Ein junger Mann (Typ Spitzensportler), der mich auf dem Grenzweg kreuzt. Ein ganz steiler Abhang im Wald führt zum Solenbergspitz. Von da aus geht es immer genau die Gennersbrunnerstrasse hoch, bis der Grenzverlauf die Strasse wieder verlässt. Ein kurzes Stück parallel zur Strasse