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Klassik in Schaffhausen: Anastasia Kobekina sorgt für Standing Ovations

Mit einem gefeierten Konzert der Cellistin Anastasia Kobekina im gut besuchten St. Johann ist die «blaue» Saison von Schaffhausen Klassik zu Ende gegangen. Im Herbst folgt unter dem Motto «Gold» eine neue Spielzeit.
Von Edith Fritschi, Mark Liebenberg (Schaffhauser Nachrichten)
Was für ein Ton, welch musikalisches Temperament: Die grossartige Cellistin Anastasia Kobekina und das Kammerorchester Basel unter Daniel Bard haben das Publikum unter dem Motto «Let’s Dance» mehr als bezaubert.
Zum Auftakt spielt das Kammerorchester eine Komposition von Wojciech Kilar; dann kommt Kobekina auf die Bühne – und um das Publikum ist es geschehen. Die Füsse fest am Boden – Kobekina spielt wie ihr musikalisches Vorbild, die Geigerin Patricia Kopatschinskaja, barfuss – scheint ihr farbenreiches und poetisches Spiel keine Grenzen nach oben zu kennen. Immer wieder sucht sie den Kontakt mit dem Orchester, kommuniziert mit ihm ebenso wie mit ihrem Cello, dem sie neue musikalische Welten entlockt. Man kann in andere Sphären fliegen oder mittanzen. Sie lässt ihr Stradivari-Cello singen und seufzen, und selbst die schwierigsten Passagen wirken federleicht. Die Rokoko-Variationen von Tschaikowsky glänzen, und auch Brahms’ «Ungarische Tänze» (in einer von Kobekinas Vater Vladimir eingerichteten Fassung für Cello und Orchester) spielt sie in teils atemberaubenden Tempi. Ob der Frische ihrer Interpretationen vergisst man die Hitze im Raum. Klar, ohne Zugabe lässt man sie nicht ziehen. Sie kündigt ein Tanzstück an und lässt wissen, dass das ihr erster Auftritt in Schaffhausen sei, den sie sehr geniesse, ebenso wie das facettenreiche Zusammenspiel mit dem Kammerorchester Basel. Die Zugabe, ein Fandango von Luigi Boccherini in der Bearbeitung des Cellisten Giovanni Sollima, zeigt noch einmal die Virtuosität Kobekinas: Sie ist ein musikalisches Wunder. Wer sie verpasst hat, hat eine Sternstunde verpasst.
Den Turnaround geschafft
Mit dem Schlusskonzert am Dienstag ist die Schaffhauser Klassik-Saison unter dem Motto «Blau» zu Ende gegangen. Im September startet das Musik-Collegium Schaffhausen mit der neuen Saison «Gold». Präsident Christian Amsler blickt zufrieden zurück: «Nach den schwierigen Corona-Jahren mit sinkenden Zuschauerzahlen und finanziellen Unsicherheiten haben wir den Turnaround geschafft. Wir hatten gute Besucherzahlen, solide Vereinsfinanzen und sind wieder auf Kurs.»
Auch künstlerisch zog sich das Blau wie ein roter Faden durch die Saison – mit Vaughan Williams’ Sea Symphony, Debussys La Mer und der Uraufführung von «Gaia» des Schaffhauser Komponisten Silvan Loher. «Wir hatten den Auftrag schon vor einigen Jahren vergeben. Umso grösser war die Freude, das Werk im Februar endlich uraufführen zu können», sagt die künstlerische Leiterin Annedore Neufeld.
Die «Gold»-Saison steht unter anderem im Zeichen Beethovens, dessen 200. Todestag sich 2027 jährt. Die «Eroica» ist gleich zweimal zu hören: klassisch mit der Rheinischen Philharmonie und als Neukomposition mit dem Berliner Stegreif-Orchester. «Beethoven sprengte die Grenzen seiner Zeit – und genau so kann man ihn heute erfahren. Er muss nicht museal gespielt werden», sagt Neufeld. Die selten gespielte 4. Sinfonie kommt mit den Winterthurern unter Barbara Hannigan nach Schaffhausen.
Neufeld selber dirigiert zudem erstmals Bruckners Dritte: «Nach einer Bruckner-Sinfonie ist man ein anderer Mensch.» Weitere Höhepunkte sind das Mozart-Requiem mit Projektchor, Konzerte für Kinder und Jugendliche sowie die Schaffhauser Geigerin Murielle Oberhofer als Artist in Residence.