Aktuelles / Notizen
Köhlerei Eschheimertal
Zur Zeit gibt es in Eschheimertal auf der Breite Schaffhausen ein wunderbares, altes Handwerk zu bestaunen: die Köhlerei.
Im Rahmen der Holzhauermeisterschaft haben Spezialisten vom Köhlerverein Siggenthal einen Kohlenmeiler aufgebaut und in Betrieb genommen. Ein lohnender Ausflug für die ganze Familie!
Bereits im Altertum wurde Holzkohle in Meilern hergestellt. Diese wurde verwendet für die Gewinnung von Metallen. Die Schmiede verwendeten grobe Holzkohle für ihre Essen, feinere brauchten die Nagelschmiede. Weitere Abnehmer waren Eisengiessereien, Ziegeleien und Glashütten. Im Laufe der Zeit wurde die Holzkohle auch in privaten Haushalten geschätzt: zum Beispiel für den Betrieb von Bügeleisen oder zum Erhitzen von Wasser. Noch heute arbeiten Gold- und Kupferschmiede mit Holzkohle. Im Privatbereich wird sie vorwiegend zum Grillen verwendet und hoch geschätzt.
Die Köhler führten ein karges und einsames Leben. Sie lebten stets in der Nähe ihres Meilers in einer Köhlerhütte in abgeschiedenen Wäldern und kamen viele Wochen lang kaum mit Menschen in Kontakt. Auf alten, noch gebräuchlichen Landkarten, weisen in vielen Gemeinden Flurnamen wie Cholgrueb, Cholplatz, Choltobel auf das schwarze Handwerk hin.
Der Kohlenmeiler
Ein grosser Kohlenmeiler besteht aus ca. 50 - 70 Ster Laubholz, meist Buche. Aufgebaut wird der Meiler auf einem Bodenrost, welcher sternförmig aus Holzrugeln und dünnen Bodenbrettern erstellt wird. In der Mitte wird das Füllihus errichtet. Es besteht aus Schwartenbrettern oder Holzrugeln. Es dient der Aufnahme der Füllkohle bei der «in Glut Setzung» des Meilers.
Anschliessend wird das eigentliche Herzstück des Meilers erstellt.
Es besteht aus dicht aneinander stehenden Holzscheiten, welche möglichst kompakt aufgeschichtet werden. Bei diesem Arbeitsgang wird die spätere Form des Meilers bestimmt: möglichst rund und mit einer regelmässigen Neigung und einem kuppelförmigen Abschluss. Anschliessend wird der Meiler mit Reisig dicht eingepackt. Dieses Reisig verhindert, dass die «Löschi», die im folgenden Arbeitsgang angebracht wird, nicht im Holz verschwindet. Die Löschi dient dazu, den Meiler möglichst luftdicht zu verpacken.
Sie besteht aus einem Gemisch von Kohlestaub, feinen Holzstücken, Asche und Erde und wird mit Wasser versetzt. Diese Masse wird nun als ca. 30 cm dicker Mantel rund um den Meiler angebracht, bis er vollständig bedeckt ist. Die Löschi muss immer feucht sein, damit keine Risse entstehen können. Vor allem während dem Verkohlungsprozess muss der Meiler immer wieder benetzt werden. Löschi wird aus früheren Meilern gewonnen.
Zum Schluss werden in einem Abstand von ca. einem Meter Ansteller (längs halbierte Holzrugel) rund um den Meiler angestellt. Diese werden mit horizontal verlegten Brettern verbunden. So entsteht eine Art Gerüst, welches für die anstehenden Arbeiten beim Verkohlungsprozess sehr nützlich ist. Anschliessend wird ein Spannseil rund um den Meiler und an den Anstellern angebracht; es dient der Stabilisierung des ganzen Meilers.
Das «in Glut setzen» des Meilers geschieht mit Glut, welche in mehreren Etappen ins Füllihus eingefüllt wird. Am Boden des Meilers werden Löcher für die Steuerung der Luftzufuhr gestochen und das Füllihus mit dem Deckel verschlossen. Im Innern des Meilers kann jetzt der Schwelbrand beginnen.
Die Verkohlung erfolgt trichterförmig von innen nach aussen und von oben nach unten. Dieser Prozess muss dauernd überwacht und bei Bedarf über die Dosierung der Luftzufuhr gesteuert werden.
Deshalb beginnt für den Köhler ein 24-Stunden-Betrieb der ca.
14 Tage dauert. Eine Aufgabe, die viel Erfahrung und Ausdauer benötigt.
Ist der Verkohlungsprozess abgeschlossen, werden alle Luftzufuhren geschlossen und der Meiler kann auskühlen. Anschliessend kommt der grosse Augenblick: mit Karst und Rechen wird die Kohle ausgezogen, einer Qualitätskontrolle unterzogen und sortiert bevor sie in Papiersäcke abgefüllt wird.